Familie und Arbeit
Die Kombination von Familie und Arbeit ist eine Herausforderung. Einerseits will man für die Familie da sein, ist durch Kitas, die Verfügbarkeit von Kitaplätzen und Kinderbetreuung und den familiären Aufgaben gebunden. Andererseits will oder muß man arbeiten und sich der beruflichen Laufbahn widmen. Dies stellt zeitlich und emotional eine Herausforderung dar. Wie läßt sich beides kombinieren?
Dies Frage wird in verschiedenen Artikeln und Beispielen diskutiert. Die uns besonders interessanten Artikel haben wir hier für Sie zusammengestellt.
Ein Drittel aller Frauen schaffen Kind und Karriere
Die Zeiten, in denen Frauen grundsätzlich oder zumindest nach der Geburt ihrer Kinder Hausfrau und Mutter wurden, sind vorbei. Der Vollzeitjob als Mutter macht viele Frauen nicht glücklich. Viele möchten aber arbeiten. Teilzeitstellen ermöglichen dies theoretisch. Einer Studie zufolge wollen 37 Prozent der Befragten in dem Modell "Morgens Arbeit, nachmittags Kinderbetreuung" nach dem Wiedereinstieg leben.
Der Verband berufstätiger Mütter aus Köln beobachtet seit einiger Zeit, dass die berufstätigen Mütter nach der Elternzeit ihre Arbeitszeiten in Teilzeit aufstocken möchten. "Jede zweite berufstätige Frau in Teilzeit möchte mehr arbeiten. Sie arbeiten gezwungenermaßen weniger als sie wollen", sagt Silke Luinstra. Sie ist Vorsitzende des Verbandes berufstätiger Mütter und hat selber zwei Kinder. In der Regel seien es mangelnde Kitaplätze und wenig flexible Arbeitgeber, die das Plus an Arbeitsstunden nicht ermöglichen.
Väter weniger Vollzeit, Mütter mehr Teilzeit
Dagegen würden Männer, die Vollzeit arbeiten, gern weniger Zeit in die Karriere, dafür mehr in die Familie investieren. "Sie hauchen haufig nur noch den Gute-Nacht-Kuss ihren Kindern zu und das reicht den Vätern nicht aus", sagt Luinstra.
Das Modell, in dem nur der Mann arbeitet und die Frauen sich um Haushalt und Kinder kümmern, ist laut Silke Luinstra veraltet. "Heutzutage ist es ökonomisch gesehen gefährlich, wenn man sich auf einen Alleinverdiener verlässt - egal ob es Mann oder Frau ist", betont sie. Außerdem seien die Eheversprechen "bis dass der Tod uns scheidet" nicht sicher. Elternzeit ist daher nicht zwingend Frauensache. Wer sich für ein Modell entscheidet, in dem die Frau beruflich stark zurücktritt, müsse auch die Konsequenzen bedenken. So können gerade Frauen, die lange in geringem Umfang in Teilzeit gearbeitet haben oft ihre eigene Existenz nicht sichern und haben später kaum Rentenansprüche. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf ist nach langen Pausen oft sehr schwierig.
Sind Kinder gut für die Karriere
Chefs mögen Mütter
Kalt und seltsam, darüber hinaus fehle ihnen, die "gewisse Portion Menschlichkeit" - so empfinden, laut einer britischen Wissenschaftlerin, Chefs ihre kinderlosen weiblichen Angestellten. Bei anstehenden Beförderungen kann es ihnen deshalb passieren, ausgeschlossen zu werden. Müttern dagegen wird das emotionale Rüstzeug (Einfühlungsvermögen, Geduld) automatisch zuerkannt, das wichtig ist, um z.B. Mitarbeiter zu führen. Aber machen sie deswegen auch schneller Karriere?Caroline Gatrell von der Lancaster University Management School, hat 1400 Einträge in Internet-Foren, 120 Interviews und mehrere Studien untersucht und verglichen, bis sie zu dieser Schlussfolgerung kam. Auch Frauen im gebärfähigen Alter, die noch keinen Nachwuchs haben, werden ihrer Meinung nach häufig karrieretechnisch aufs Gleis gestellt - denn sie könnten ja theoretisch demnächst schwanger werden - und dem Chef nichts mehr nutzen.
Frauen mit Kindern zuerst!
Da greifen die Bosse doch lieber auf Frauen zurück, die bereits die Herausforderungen im Mutterglück erleben - auch, weil man diese besser einschätzen kann. Denn eine Mutter, die zwei Kinder in Kindergarten- und Grundschulalter zu Hause hat, kommt mit Garantie immer pünktlich zur Arbeit, arbeitet gern mal die Mittagspause durch, um eben wieder pünktlich zu Hause zu sein. Mütterliches Organisationstalent ist garantiert, schließlich weiß sie, wie man es schafft, rechtzeitig einen Zweijährigen zum Kinderturnen und einen Siebenjährigen zum Schlagzeugunterricht zu bringen, auch wenn die Veranstaltungsorte jeweils am anderen Ende der Stadt liegen.
Mehr Geld für gute Arbeit?! Selten so gelacht
Während also am Montagmorgen die kinderlose Kollegin noch verkatert über dem Schreibtisch hängt, hat die Working Mum schon die Präsentation für die Konferenz fertig. So viel Einsatz sieht man in der Führungsetage gern. Dies dankt man der doppelbelasteten Mutter finanziell aber genauso wenig wie der "kalten Karrieristin" - das ist leider auch ein Ergebnis von Dr. Gratells Forschungen: "Frauen können nicht gewinnen. Frauen mit Kindern werden dafür beschuldigt, Mutterschaft mit bezahlter Arbeit zu verbinden - und Frauen ohne Kinder werden ausgeschlossen, weil sie keine Mütter sind."
Also kann man sich als rackernde gestresste Mutter zwar einen aufmunternden Schulterklopfer vom Chef abholen, das Gehalt ändert sich nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn man für seinen eigentlich unbezahlbaren Einsatz für das Wohl der zukünftigen Rentenzahler und für den Versuch, die aktuelle Wirtschaftslage durch gute Arbeit und ein paar Konsum ankurbelnden Einkäufen (Neuwagen, Familienreise, Chucks für die Töchter etc.) ordnungsgemäß entlohnt worden wäre.
Von Merle Wuttke, veröffentlicht unter anderem auf http://www.frauenzimmer.de
Frauen wollen mehr
Derzeit begeben wir uns mit Julia Roberts alias Liz Gilbert im Kino auf eine Weltreise rund um den Globus und gleichsam auf eine Reise zu ihr selbst. Für einen Moment entschweifen wir dem Alltag, folgen ihr durch farbenfrohe Kulissen, beneiden sie um den Mut, für ein Jahr alles hinter sich zu lassen, um sich und die Welt zu entdecken, und freuen uns, dass sie findet, wonach sie sucht. Wir essen genussvoll mit ihr in Italien, wir verstehen ihre Herausforderung mit dem ultra-frühmorgendlichen Gebet in Indien und teilen ihre Zuneigung für den zahnlosen Heiler Katut auf Bali.
Und dann kommt der Abspann. Wir gehen zurück in die Realität und die heisst nebst eat – pray – love auch work. Dass Arbeit, und damit verbunden beruflicher Erfolg, von Frauen und Männern anders interpretiert und auch mit anderen Werten assoziiert wird, kommt in zahlreichen Studien und Umfragen immer wieder zum Ausdruck.
Die Arbeit als Puzzleteil
Das klingt nun wahnsinnig esoterisch und schon fast nach Rauchstäbchen. Nun, dass Frauen am Arbeitsplatz und bei der Arbeit nach anderen Werten suchen und radikal ein Ende ziehen, wenn sie diese nicht finden, ist einer der zentralen Treiber, weshalb die Untervertretung von Frauen in den höheren Hierarchiestufen ohne Frauenquote in der Wirtschaft so hartnäckig verweilt. Diejenigen Unternehmen, die es verstehen, diese Erkenntnis positiv umzusetzen, werden sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil schaffen, denn sie werden auf dem Arbeitsmarkt attraktiv sein und entsprechend gut rekrutieren können.
Quelle: www.clack.ch
Prof. Dr. oec. publ. Sita Mazumder, Jahrgang 1970, ist Dozentin am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern. Sie gehört verschiedenen Verwaltungsräten an, hat mit Purple eine eigene Beratungsfirma und arbeitete als Kolumnistin für das Schweizer Fernsehen.


